Ein erhöhter Muskelwert – vor allem Kreatinkinase (CK) – nach einem EMS-Training zeigt die starke Beanspruchung der Muskulatur. Solche Werte sind normal nach intensiver Belastung, fallen beim EMS aber besonders hoch aus.
Exkurs: CK (Kreatinkinase)
- Funktion: CK ist ein Enzym, das in den Muskeln für die Energiebereitstellung sorgt.
- Normwerte: Männer bis 171 U/l, Frauen bis 145 U/l.
- Warum steigt CK? Jede intensive Muskelbelastung zerstört einzelne Muskelzellen – das ist gewollt und Grundlage für Muskelwachstum.
- Risiko: Sehr hohe CK-Werte können die Nieren belasten, da Abbauprodukte ausgeschieden werden. Deshalb gilt: vor und nach dem Training ausreichend trinken!
Warum ist der CK-Anstieg bei EMS so hoch?
Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Erlangen-Nürnberg (2015) hat gezeigt:
- Marathon (42,2 km): Ø 2.795 U/l CK, Peak nach 48 h
- EMS-Erstanwendung (20 Minuten, ausbelastet): Ø 28.545 U/l CK (117-facher Anstieg), Peak nach 72–96 h
- 70 % der Probanden überschritten Werte von 10.000 U/l
- Nach Trainingsanpassung (10 Wochen, 1×/Woche): CK-Peaks nur noch ca. 906 U/l – vergleichbar mit normalem Krafttraining
Damit ist der CK-Anstieg bei EMS bis zu zehnmal höher als nach einem Marathon. Der entscheidende Unterschied: Einen Marathon schaffen nur gesunde, gut trainierte Sportler. EMS hingegen aktiviert in nur 20 Minuten alle großen Muskelgruppen gleichzeitig – selbst bei Untrainierten oder älteren Menschen.
Die Intensität ist nicht durch körpereigene Grenzen limitiert, sondern durch den externen Impuls des EMS-Geräts und die Steuerung durch den Trainer. Genau diese Besonderheit macht EMS so wirksam – erfordert aber auch klare Sicherheitsregeln.
Leitlinien für sicheres EMS-Training
Die internationale Leitlinie für sicheres EMS-Training (2023) wurde von einem Expertenkonsortium aus Sportmedizin, Physiologie und Trainingswissenschaft erarbeitet. Sie fasst den weltweiten Stand der Forschung zusammen und definiert klare Regeln:
- Nur geschulte EMS-Trainer dürfen Anwendungen durchführen
- Zu Beginn höchstens eine Einheit pro Woche
- 4–5 Tage Regeneration zwischen den Einheiten
- Ständige Betreuung mit maximalem Betreuungsschlüssel von 2:1
Fazit
Ein erhöhter Muskelwert nach EMS ist kein Krankheitszeichen, sondern Ausdruck der außergewöhnlichen Intensität: Alle Muskeln werden gleichzeitig aktiviert – mit Effekten weit über normales Training hinaus. Mit Einhaltung der Leitlinien, professioneller Aufsicht und ausreichender Flüssigkeitszufuhr bleibt EMS sicher und hochwirksam.
