Aktivierung der Tiefenmuskulatur
EMS erreicht stabilisierende Tiefenmuskeln (z. B. im Rumpf), die in klassischen Workouts schwer zu treffen sind. Eine kräftige, gut ansteuerbare Tiefenmuskulatur entlastet die Wirbelsäule, verbessert Haltung und kann Alltagsbeschwerden vorbeugen.
Mehr Muskelfasern gleichzeitig
Bei willentlicher Anspannung werden nie alle Fasern eines Muskels gleichzeitig rekrutiert. EMS triggert parallel eine sehr große Zahl von Fasern – der Reiz ist daher schon bei einfachen Bewegungen (z. B. Kniebeugen) oder in statischen Haltepositionen hoch und effizient. Diese Möglichkeit macht das Training besonders gelenkschonend, da keine schweren Gewichte notwendig sind.
Zusammenspiel von Gehirn und EMS
Normalerweise steuert das Gehirn die Muskelarbeit über elektrische Signale an die Nerven. Beim EMS-Training bleibt diese willentliche Ansteuerung erhalten, wird jedoch durch die externen Impulse überlagert. Dadurch kommt es zu einer Kombination aus eigener Muskelaktivität und zusätzlichem Reiz von außen. Das verstärkt den Trainingseffekt und sorgt für eine tiefere, intensivere Kontraktion – auch ohne dynamische Bewegung.
Rekrutierung unterschiedlicher Muskelfasertypen
Normalerweise folgt die Rekrutierung dem Size-Prinzip: erst Typ-I-Fasern (langsam, ausdauernd), dann mit steigender Last Typ-II-Fasern (schnell, kraftvoll). EMS kann beide Typen gleichzeitig aktivieren. So werden die für Kraft, Schnelligkeit und Muskelaufbau entscheidenden Typ-II-Fasern von Beginn an stark mittrainiert – ein Grund für spürbare Kraft- und Leistungszuwächse.
Effekte auf Kraft & Körperzusammensetzung
Durch die breite Aktivierung steigt die Kraft oft zügig an; parallel kann fettfreie Masse zunehmen und Körperfett abnehmen. Da der mechanische Stress gering ist, eignet sich EMS auch für Menschen mit Gelenkproblemen oder Zeitknappheit – ohne auf Trainingsintensität zu verzichten.
- Nicht für zuhause: EMS gehört in professionelle Hände.
- Betreuungsschlüssel max. 2:1: Anamnese, Parametereinstellung, Überwachung & Progression sind Pflicht.
- Mindestens 5 Tage Pause zwischen zwei Einheiten für ausreichende Regeneration.
- Ärztliche Freigabe bei allen medizinischen Fragen oder Vorerkrankungen einholen.
Kontraindikationen nach DIN 33961-5 (Auszug)
Absolute Kontraindikationen – Training grundsätzlich ausgeschlossen:
- Elektrische Implantate (z. B. Herzschrittmacher, Defibrillator)
- Akute Erkrankungen/Entzündungen, frische Operationen/Verletzungen
- Unbehandelter Bluthochdruck, fieberhafte Infekte
- Schwangerschaft
Relative Kontraindikationen – nur nach ärztlicher Abklärung/angepasst:
- Akute Rücken-/Gelenkbeschwerden ohne Diagnose
- Metallische Implantate älter als 6 Monate (Parameter anpassen)
- Bestimmte kardio-metabolische oder neurologische Erkrankungen
- Einnahme myotoxischer Medikamente (z. B. bestimmte Statine)
Hinweis: Eine professionelle Anamnese entscheidet, ob und wie trainiert werden darf. Parameter (Impulsbreite, Frequenz, Intensität) müssen individuell gesetzt und behutsam gesteigert werden.
Praxis: Wie fühlt sich das an?
Du trägst Weste & Manschetten mit Elektroden. Während kurzer Impulsphasen führst du einfache Übungen (z. B. Ausfallschritte, Pulls) aus – oder hältst statische Positionen. Eine Einheit dauert ca. 20 Minuten – fühlt sich intensiv an, bleibt aber gelenkschonend.
Fazit
Warum wirkt EMS-Training? Weil es Muskeln tief, flächig und simultan aktiviert – inklusive der schnellen Typ-II-Fasern. Gleichzeitig überlagern die elektrischen Impulse die Signale des Gehirns und verstärken so die Kontraktionen. Das führt zu besonders intensiven Trainingseffekten. Sicher und effektiv ist EMS jedoch nur mit professioneller Betreuung, klaren Pausen und Beachtung der DIN-Kontraindikationen.
