Rheuma ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für über 100 unterschiedliche Erkrankungen, die den Bewegungsapparat betreffen. Dazu gehören unter anderem rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis oder chronische Polyarthritis. Gemein ist ihnen, dass sie zu Entzündungen, Schmerzen, Steifigkeit und fortschreitendem Abbau von Gelenk- und Muskelgewebe führen können.
Ursachen und Verlauf von Rheuma
Die Ursachen rheumatischer Erkrankungen sind vielschichtig. Oft liegt eine Fehlreaktion des Immunsystems vor, bei der körpereigene Strukturen – vor allem Gelenke und Bindegewebe – angegriffen werden. Entzündungsprozesse zerstören nach und nach Knorpel und Gelenkflächen, was zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsverlust führt.
Neben genetischen Faktoren spielen Infektionen, hormonelle Einflüsse, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress eine Rolle. Besonders tückisch: Durch die Schmerzen und Entzündungen bewegen sich viele Betroffene immer weniger, wodurch Muskulatur und Stoffwechsel weiter geschwächt werden. Ein Teufelskreis entsteht, der langfristig auch Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen begünstigen kann.
Bedeutung von Bewegung und Muskeltraining bei Rheuma
Regelmäßige, angepasste Bewegung zählt heute zu den wichtigsten Therapiebausteinen bei Rheuma. Studien belegen eindeutig, dass gezieltes Muskeltraining Entzündungen lindern, Schmerzen reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern kann.
Aktive Muskulatur entlastet die Gelenke, stabilisiert sie und fördert den Abbau entzündlicher Botenstoffe. Gleichzeitig verbessert sich die Durchblutung, die Gelenkschmiere (Synovia) wird besser verteilt und die Beweglichkeit steigt.
Doch: Klassisches Krafttraining ist für viele Rheumapatientinnen und -patienten schwierig umzusetzen. Schmerzen, Schwellungen oder eingeschränkte Belastbarkeit machen intensive Übungen oft unmöglich. Genau hier kann EMS-Training (Elektro-Muskel-Stimulation) eine wertvolle Ergänzung sein.
Besonderheiten des EMS-Trainings bei Rheuma
Beim Ganzkörper-EMS-Training werden über Elektroden, die in eine spezielle Weste und Manschetten integriert sind, elektrische Impulse an die Muskulatur gesendet. Diese Impulse aktivieren die Muskeln – auch in tieferen Schichten – ohne die Gelenke mechanisch stark zu beanspruchen.
Das hat entscheidende Vorteile für Menschen mit Rheuma:
- Gelenkschonendes Training: Muskelaufbau ohne hohe Gelenkbelastung
- Aktivierung der Tiefenmuskulatur: Unterstützung der Haltung und Gelenkstabilität
- Verbesserte Durchblutung: Entzündungsprozesse können sich abschwächen
- Kurze, effektive Einheiten: Bereits 20 Minuten pro Woche reichen aus, um Fortschritte zu erzielen
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass EMS-Training selbst bei älteren und körperlich eingeschränkten Personen sicher durchgeführt werden kann, wenn es fachgerecht betreut wird.
Sicherheit und Voraussetzungen
Trotz aller Vorteile gilt: EMS-Training ist nicht für jeden Rheumapatienten geeignet. Während in stabilen Krankheitsphasen moderate Impulse positive Effekte haben können, ist bei akuten Entzündungen oder Schüben Training tabu. Vor Beginn ist immer eine ärztliche Freigabe notwendig.
Folgende Regeln sind verbindlich:
- Professionelle Betreuung: Maximaler Betreuungsschlüssel 2:1 durch geschulte EMS-Trainer
- Mindestens 5 Tage Pause zwischen den Einheiten
- Kein EMS-Training zuhause oder ohne Aufsicht
- Beachtung der Kontraindikationen (z. B. Herzschrittmacher, unbehandelter Bluthochdruck, Schwangerschaft)
Fazit
Rheuma erfordert Bewegung – und EMS kann hier eine moderne, gelenkschonende Option sein. Es stärkt die Muskulatur, fördert die Durchblutung und kann Schmerzen langfristig lindern. Entscheidend ist eine individuelle Abstimmung zwischen Arzt, Trainer und Patient, damit das Training sicher und effektiv wirkt.
EMS ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein wichtiger Baustein im Therapiekonzept sein, um Lebensqualität und Beweglichkeit bei Rheuma nachhaltig zu verbessern.
