Krampfadern (Varizen) sind erweiterte, meist geschlängelte Venen, die auf eine Schwäche der Venenklappen zurückzuführen sind. Viele Betroffene fragen sich, ob das elektrische Ganzkörpertraining mit solchen Venenveränderungen unbedenklich ist.
Die gute Nachricht vorweg: In den meisten Fällen ist EMS-Training bei Krampfadern möglich – sofern keine akuten Entzündungen oder Thrombosen vorliegen und das Training professionell überwacht wird.
Wie wirkt EMS auf das Venensystem?
Das Ganzkörper-EMS-Training (WB-EMS) aktiviert nahezu alle Muskelgruppen gleichzeitig – inklusive der tiefen Beinmuskulatur, die für die sogenannte „Muskelpumpe“ entscheidend ist. Diese sorgt dafür, dass das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen transportiert wird. Studien zeigen, dass EMS:
- die Durchblutung und venöse Rückführung verbessert,
- Wassereinlagerungen (Ödeme) reduzieren kann und
- die Beinmuskulatur kräftigt, was die Venenfunktion langfristig unterstützt.
Damit kann EMS – richtig eingesetzt – sogar positiv auf venöse Beschwerden wirken.
Wann EMS bei Krampfadern nicht erlaubt ist
Laut der DIN 33961-5 sowie internationalen Sicherheitsrichtlinien gelten akute oder entzündliche Venenerkrankungen als absolute Kontraindikation. Kein EMS-Training bei:
- akuter Thrombophlebitis (Venenentzündung),
- tiefer Beinvenenthrombose (TVT),
- starkem Lymphödem oder
- entzündeten oder stark geschwollenen Krampfadern.
Diese Zustände müssen ärztlich behandelt und abgeheilt sein, bevor ein Training wieder aufgenommen werden darf. Bei chronischen, stabilen Krampfadern oder einer leicht ausgeprägten Venenschwäche ist EMS hingegen möglich – unter ärztlicher Freigabe und professioneller Aufsicht.
Wie sollte das Training gestaltet sein?
Damit EMS bei Krampfadern sicher und effektiv bleibt, gelten einige Grundregeln:
- Intensität moderat wählen: Kein Training bis zur Muskelerschöpfung.
- Beine stets in Bewegung halten: Aktivierte Muskelpumpe unterstützt den venösen Rückfluss.
- Professionelle Betreuung: Maximaler Betreuungsschlüssel von 2:1.
- Trainingsabstand: Mindestens 5 Tage Pause zwischen zwei Einheiten.
- Kein Heimtraining: EMS darf nur unter Aufsicht erfolgen – Heimgeräte sind ungeeignet und potenziell gefährlich.
Wann EMS-Training sogar helfen kann
Gerade bei Menschen, die aus orthopädischen Gründen wenig belastbare Gelenke haben, kann EMS ein gelenkschonender Weg sein, Muskeln zu kräftigen und die Durchblutung zu verbessern. Studien an älteren und metabolisch belasteten Personen zeigen, dass EMS:
- die Muskelkraft steigert,
- die Körperzusammensetzung verbessert,
- den venösen Rückfluss aktiviert und
- keine klinisch relevanten Nebenwirkungen verursacht, wenn es sachgerecht angewendet wird.
Fazit
Ein EMS-Training bei Krampfadern ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber an klare Voraussetzungen gebunden. Liegt keine akute Entzündung oder Thrombose vor und erfolgt das Training unter fachkundiger Aufsicht, kann es sogar positive Effekte auf die venöse Durchblutung und das Wohlbefinden haben.
Vor Trainingsbeginn sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen – insbesondere, wenn Venenprobleme bekannt sind oder Beschwerden wie Schwellungen, Druckgefühle oder Schmerzen bestehen.
