Kurz gesagt: Ja, EMS-Training kann bei Arthrose unterstützen, indem es die Muskulatur rund um die betroffenen Gelenke stärkt, Stabilität erhöht und Schmerzen reduziert – vorausgesetzt, es wird fachkundig angeleitet und individuell dosiert.
Warum ist EMS gerade bei Arthrose sinnvoll?
Arthrose führt häufig zu Schmerzen, Schonhaltungen und Muskelabbau. EMS (Ganzkörper-EMS) setzt niederfrequente Impulse ein, die während einfacher Übungen die Muskulatur intensiver aktivieren – bei geringer Gelenkbelastung. Dadurch lassen sich Kraft, Koordination und Alltagssicherheit verbessern, was das Gelenk entlastet. In einer randomisierten Studie mit Übergewichtigen mit Kniearthrose verbesserte WB-EMS die Körperzusammensetzung und funktionelle Parameter deutlich, ohne die Gelenke zu überlasten (Burkhardt et al., 2025).
Welche Effekte sind realistisch?
- Mehr Stabilität & Kraft: Kräftigere Oberschenkel- und Glutealmuskulatur entlastet Knie und Hüfte. Positive Effekte auf Funktion wurden auch bei älteren und gebrechlichen Menschen gezeigt.
- Weniger Schmerzen: In Schmerzkollektiven wurden signifikante Reduktionen der Schmerzintensität und Zuwächse der Rumpfkraft beobachtet (vergleichbar mit konventionellem Training).
- Günstige Körperzusammensetzung: Studien berichten Fettmassenreduktion und Erhalt/Aufbau fettfreier Masse – relevant bei Arthrose und Übergewicht.
Ist EMS bei Arthrose sicher?
Ja, bei fachgerechter Anwendung. Die internationale Leitlinie empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen mit Eingangs-Anamnese, konservativer Einstiegsdosierung und klaren Regenerationsfenstern. Systematische Auswertungen zeigen eine hohe Trainingsakzeptanz und keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse in nicht-athletischen Kollektiven.
Wie oft und wie lange trainieren?
- Frequenz: 1x/Woche (20–25 Minuten) reicht für messbare Effekte.
- Pause: Zwischen den Einheiten mindestens 5 Tage Regeneration – verbindlich.
- Betreuung: Maximal 2:1 (zwei Kund:innen pro Trainer:in), damit Intensität und Technik permanent überwacht werden.
Diese Eckpunkte sind Standard in Leitlinien und Studienprotokollen zu WB-EMS.
Wer profitiert besonders?
Menschen mit Knie- oder Hüftarthrose, die konventionelles Krafttraining nur eingeschränkt tolerieren, ältere Personen und Patient:innen mit Übergewicht– hier kann die Kombination aus gelenkschonender Aktivierung und Effizienz den Einstieg erleichtern. Subanalysen zeigen zudem günstige Effekte bei Teilnehmenden mit Metabolischem Syndrom.
Kontraindikationen nach DIN 33961-5 (Auswahl)
Absolute Kontraindikationen – Training ist ausgeschlossen:
- Elektrische Implantate (z. B. Herzschrittmacher/Defibrillator), aktive Infekte/Entzündungen, frische Operationen, unbehandelter schwerer Bluthochdruck, Schwangerschaft.
Relative Kontraindikationen – nur nach ärztlicher Freigabe/Anpassung:
- Unklare akute Schmerzen (z. B. plötzliche Rückenschmerzen ohne Diagnose), kardiovaskuläre Erkrankungen in Behandlung, Gelenkimplantate älter als 6 Monate, höheres Lebensalter mit Gebrechlichkeit.
Eine professionelle Anamnese ist obligatorisch; offene Fragen werden medizinisch abgeklärt.
Wichtige Sicherheitsregeln (immer!)
- Kein Heimtraining: EMS ist nicht für zu Hause geeignet.
- Fachkunde: Nur mit zertifizierter Trainer:in (NiSV-Fachkunde EMF-Stimulation) trainieren.
- Max. 2:1-Betreuung und ≥ 5 Tage Pause einhalten.
- Dosierung: Einstieg moderat, Intensität progressiv und symptomgeleitet, CK-Risikomanagement nach Leitlinie.
Fazit
Bei Arthrose ist EMS-Training eine gelenkschonende, effiziente und gut belegte Ergänzung zur Therapie: mehr Kraft, bessere Funktion, oft weniger Schmerzen – sofern sie professionell umgesetzt wird.
